Weiße (Selbst-) Wahrnehmung dekonstruieren

Möglichkeiten ästhetischer Bildung im Kontext Migrationsgesellschaft

Moritz Scheuermann

 

Geschriebenes, gesagtes, performtes, gesungenes, weitergetragenes und – insbesondere durch PoC – auf die ein oder andere Art ausgedrücktes und belegtes Wissen inner- und außerhalb akademischer Kontexte zeigt auf, dass Rassismus und die Idee der „Rasse” Vorstellungen, Institutionen und Machtverhältnisse unserer Gesellschaft geformt haben und immer noch formen. Selbst wenn eine künstlerisch- edukative Arbeit Rassismus oder Weiß-Sein nicht explizit thematisiert, finden ihre Prozesse also mit und in Bezug zu Institutionen und Personen statt, die durch Rassismus geprägt und geformt worden sind. Um umfassende künstlerische und inhaltliche (Lern-)Prozesse zu ermöglichen, ist es also wichtig, dass ich mir als weiße Person in meiner künstlerisch-edukativen Arbeit die eigene weiße Wahrnehmung und Position bewusst mache, um sie zu benennen und – im besten Falle – als veränderbar zu gestalten. Dafür benötige ich Zeit, eine Position als Lernender und die Möglichkeit meine weiße Position offen zu benennen und gemeinsam mit der Gruppe zu hinterfragen.

Art in Context (Kunst im Kontext), Universität der Künste Berlin (UdK Berlin), Rundgang 2018
Inhalte Box, Moritz Scheuermann
Art in Context (Kunst im Kontext), Universität der Künste Berlin (UdK Berlin), Rundgang 2018
Zine Anleitung, Moritz Scheuermann nach
Marlon van Rooyenund JorindeSplettstößer
Art in Context (Kunst im Kontext), Universität der Künste Berlin (UdK Berlin), Rundgang 2018
Mindmap, Moritz Scheuermann

Um in meiner eigenen Arbeitspraxis nach Möglichkeiten hierfür zu suchen, habe ich diese Ausgangslage mit dem Begriff der ästhetischen Bildung nach Paul Mecheril, der sinnlich-leiblichen Wahrnehmung der eigenen Wahrnehmung im Kontext gesellschaftlicher Machtverhältnisse, verbunden. In einem nächsten Schritt habe ich mich mit Akteur*innen rassismuskritischer künstlerisch-edukativer Arbeit über Möglichkeiten machtkritischer ästhetischer Bildung ausgetauscht.
Aus diesen Gesprächen habe ich in Zusammenarbeit mit den Künstler*innen und Pädagog*innen Céline Bartholomäus und Heather Purcell Material für einen Austausch zu Übungen und Erfahrungen der Wahrnehmung der eigenen Wahrnehmung im Kontext Rassismuskritik und künstlerisch-pädagogischer Arbeit entwickelt, das sich an Akteur*innen mit Vorerfahrungen in diesem Feld richtet.
Das Material ist unter dem Titel „Wahrnehmung wahrnehmen“ in einer Box gesammelt und besteht aus kleinen Heften mit Übungen, Kommentaren und persönlichen Erfahrungsberichten zum Themenkomplex von Céline Bartholomäus und mir. Die Hefte werden ergänzt um ein Plakat mit Verweisen auf theoretische Bezüge und mit Materialimpulsen, die die Empfänger*innen der Box anregen sollen, eigene kleine Hefte zum Themenkomplex zu gestalten und einzusenden. Die so eingesendeten Hefte werden von mir jedes Mal vervielfältigt und an alle Besitzer*innen einer Box versandt.

Moritz Scheuermann
Moritz Scheuermann ist unter anderem weiß positioniert und männlich sozialisiert. Seit seinem Studium an der HBK Braunschweig (Darstellendes Spiel / Kunst in Aktion) arbeitet er als Künstler und (Theater-)Pädagoge freiberuflich mit unterschiedlichen Institutionen wie zum Beispiel Museen, Theatern, Schulen und Jugendzentren zusammen. Dabei entstehen Workshop-Formate, Inszenierungen, Zines und Performances. In seiner pädagogisch-künstlerischen Arbeit sucht er nach (eigenen) Möglichkeiten des Verlernens und machtkritischen Umgangsformen mit (eigenen) strukturellen Privilegien.

Betreut von Claudia Hummel