Kunst im Kontext
Unter „Kunst im Kontext“ verstehen wir eine künstlerisch-wissenschaftliche Arbeit, die sich bewusst und gezielt mit gesellschaftlichen Phänomenen beschäftigt, sie unter ästhetischen Gesichtspunkten reflektiert und mit künstlerischen Mitteln und Methoden auf sie einzuwirken versucht. Kunst im Kontext ist daher gleichermaßen an künstlerischen wie außerkünstlerischen Fragestellungen interessiert und orientiert, operiert in der Regel jenseits der Grenzen des Kunstbetriebs und seiner Konventionen und versucht, in unterschiedlichen gesellschaftlichen Feldern zur Entfaltung individueller wie gesellschaftlicher Potentiale beizutragen.
Künstlerisches Arbeiten anstelle von Kunstproduktion
Konkret zielt die künstlerisch-wissenschaftliche Arbeit im Kontext darauf ab, die Kategorie der Faktur in einem umfassenden Sinn zurück zu gewinnen: Als Aufspüren der autonomen sensorischen Qualitäten, materialen Spuren und medialen Transformationen gesellschaftlicher Phänomene; als Weiterdenken der Möglichkeiten künstlerischer Arbeit über die Grenzen des konventionalisierten Bilder Machens hinaus; und als Wahrnehmung und Reflexion der Tatsache, dass die Welt, in der wir leben, weitgehend von uns gemacht ist, dass sie deshalb auch anders gemacht werden könnte und dass es dazu unendlich viele unterschiedliche Wege und Möglichkeiten gibt. Kunst im Kontext reserviert Faktur daher nicht als gewissermaßen letztes Element einer privilegierten Bildproduktion, sondern setzt den Begriff vielmehr kritisch, als Frage: Warum und wie ist dieses oder jenes so oder so gemacht? ein. Das künstlerische Arbeiten wird in diesem Zusammenhang aber als Ansatz verstanden, in informierter praktischer Arbeit wie in tätiger Reflexion die Bedingungen des jeweils Gemachten zu untersuchen, zur Anschauung zu bringen und mögliche Alternativen zu entwickeln.
Die großen, nach wie vor aktuellen Missverständnisse im Hinblick auf die Kunstproduktion und ihre gesellschaftliche Bedeutung entstanden im Zuge der Entwicklung und Verbreitung bildgebender Verfahren (von der Fotografie über Film und Video bis zu digitalen Techniken der Bilderzeugung), durch die das Herstellen von Bildern vom handwerklichen Können entkoppelt wurde: In dem Maße, wie die Bildproduktion mechanisiert und automatisiert wurde und damit Bilder massenhaft und von nahezu jedermann hergestellt werden konnten, ergab sich die Frage nach dem konzeptionellen (künstlerischen) Wert der entsprechenden Produkte. Sie führte schließlich zu einer Unterscheidung zwischen dem künstlerischem Denken als einer Form ästhetischer Reflexion einerseits und dem Arbeiten mit künstlerischen Techniken als einer spezifischen Form handwerklicher Tätigkeit andererseits. In der Folge erschien spezifisches handwerkliches Können (im Sinne der Artistik) ebenso wenig als notwendige Voraussetzung für die künstlerische Arbeit, wie die künstlerisch-handwerkliche Produktionsweise als hinreichende Bedingung für die Anerkennung ihrer Ergebnisse als Kunst.
Diese Problematik verschärfte sich in dem Maße, wie sich in der Praxis und einer daran anschließenden, gewissermaßen innerbetrieblichen Reflexion der Begriff Bildende Kunst auflöste und an Verbindlichkeit verlor, ihr Produktcharakter problematisiert und künstlerische Arbeiten nicht selten regelrecht unansehnlich wurden. In Konsequenz dieser Tendenz mussten, um den besonderen Status von Kunst weiterhin behaupten zu können, die Rahmungen: die sprachlichen, theoretischen, ökonomischen und institutionellen Fortifikationen um sie und ihre Orte herum immer stärker ausgebaut werden. Dies wiederum hatte zur Folge, dass “Kunst” allen anders lautenden Reden zu trotz noch mehr als zuvor an den Rand des gesellschaftlichen Geschehens geriet und immer deutlicher als ein Subsystem mit eigenen Regeln und Codes in Erscheinung trat, das von einer spezifischen Klientel gestützt wird. Nur in scheinbarem Widerspruch steht dazu die gleichzeitige Idealisierung und Ideologisierung der Figur des Künstlers, der als großer Gegenspieler zu den Vertretern des rationalistischen oder ökonomistischen Denkens und Handelns aufgebaut wird – doch diese Rolle nur im eng abgezirkelten Reservat des Kunstbetriebs ausüben darf.
„Kunst im Kontext“ als Programm verstanden, will diese Phänomene und Zusammenhänge nicht nur reflektieren, sondern auf der Grundlage entsprechender Einsichten praktikable Konzepte für eine künstlerische Arbeit entwickeln und erproben.
Der Studiengang Art in Context
Der Studiengang „Art in Context“ wendet sich daher an Künstlerinnen und Künstler, die ihre künstlerische Arbeit in einem gesellschaftlichen Zusammenhang positionieren wollen. Das künstlerische Arbeiten im gesellschaftlichen Kontext setzt nicht nur eine besondere künstlerische Begabung und ein konkretes Interesse, sondern hohe soziale und kommunikative Kompetenz, große Ausdauer und die Fähigkeit zur Reflexion und Theoriebildung voraus. Denn von Künstlerinnen und Künstlern, die ihre Konzepte, Strategien und Arbeitsweisen im Rahmen unterschiedlicher Lebenswelten oder im Bezug zu Expertensystemen entwickeln und erfolgreich realisieren wollen, wird erwartet, dass sie außerkünstlerische Fragestellungen, Problemlagen und Vorurteile verstehen, sie auf einem professionellen Niveau aufnehmen und die Anschlussfähigkeit der eigenen Arbeit begründen können.
Der Masterstudiengang Art in Context ist ein Weiterbildungsstudiengang, der Künstlerinnen und Künstlern eine zusätzliche Qualifizierung in folgenden Berufsfeldern bzw. deren Kombinationen bietet:
Künstlerische Arbeit mit gesellschaftlichen Gruppen
Künstlerische Arbeit in kulturellen Institutionen
Künstlerische Arbeit im öffentlichen Raum
Künstlerische Arbeit im Kontext der medialen und wissenschaftlichen Bildproduktion
Aus diesem Angebot entwickeln die Studierenden gemäß ihrer Interessen und in Absprache mit den Lehrenden ihre jeweils individuellen Studienpläne. Das Studium zielt auf die Professionalisierung der Studierenden ab. Gleichrangig zur Auseinandersetzung mit den Eigenarten bestimmter Berufsfelder ist daher ein wichtiges Ziel des Studiengangs zu erlernen, wie erreichbare Ziele gesteckt, größere Aufgaben im Teamwork realisiert und neue Arbeitsfelder erschlossen werden können, sowie – nicht zuletzt – eine eigene wirtschaftliche Existenz aufgebaut und gesichert werden kann.
Hatte der Studiengang in der früheren Zeit eine eher kulturpädagogisch akzentuierte Ausrichtung, so fokussiert er seit 2006 explizit auf die künstlerische Arbeit und hat mit den Studienprofilen „Artistic Museum Studies“ und „Artistic Curatorial“ Studies sowie mit einem Schwerpunkt auf „Kultureller Bildung“ frühzeitig auf die jetzt aktuellen Entwicklungen in der Kunst- und Kulturszene reagiert.
Der Studiengang verfügt über 30 Studienplätze pro Jahrgang, die in einem zweistufigen Auswahlverfahren vergeben werden. Ein spezifisches Merkmal des Studiengangs ist der hohe Anteil (zwei Drittel) von Studierenden aus dem Ausland oder mit einem so genannten Migrationshintergrund. In der Regel hat der größere Teil der Studierenden zuvor ein künstlerisches Studium abgeschlossen, während die anderen Studierenden über einen Abschluss in einem gestaltenden Fach (Design, Architektur) oder Kunstpädagogik verfügen. Da etwa die Hälfte der bei Studienantritt im Durchschnitt ca. 30 Jahre alten Studierenden ein Teilzeitstudium wählt, hat das Institut pro Jahr insgesamt um die 80 Studierende.
Die Unterrichtsräume und Büros der Lehrenden befinden sich im
Verwaltungsgebäude der Universität der Künste Berlin:
Einsteinufer 43-53, 3. Etage
Das Sekretariat ist im Hauptgebäude der UdK angesiedelt:
Hardenbergstraße 33, Raum 127
Telefon: 030 3185 2960
Fax: 030 3185 2406
e-mail: ifkik@udk-berlin.de
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Institut für Kunst im Kontext
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